Erfahrungsbericht


    Aufzucht von Spiderlingen - auch für Anfänger?
    Ein Bericht von Astrid Hilbert

    Meine erste Vogelspinne war eine semiadulte Brachypelma smithi, und wie mir mehrere andere Vogelspinnenhalter bereits prophezeit hatten, bekam ich bald Lust, meine Sammlung zu erweitern. Bei etwa 800 verschiedenen Vogelspinnenarten gibt es viele schöne und interessante Gattungen, die mich ebenfalls interessierten und so sollte es schon nach kurzer Zeit nicht nur bei meiner smithi bleiben. Da ich aber weder das Geld noch den Platz für weitere adulte Vogelspinnen hatte, begann ich mich über die Aufzucht von Jungspinnen zu informieren. Ich hatte zuerst einige Vorbehalte, weil ich erst seit einigen Monaten mit dem Thema Vogelspinnen befasst war und nur Erfahrungen mit einer Art gesammelt hatte. Man liest häufig, dass die Aufzucht von Spiderlingen schwierig und deshalb dem Anfänger nicht zu empfehlen ist. Ich wollte es aber trotzdem wagen und heute kann ich sagen, dass die Aufzucht auch für Anfänger kein Problem darstellt, sofern sie sich ein wenig mit dem Thema beschäftigen und auf einige Dinge, wie z.B. Temperatur und Luftfeuchtigkeit, achten.

    Bei mir sah es jedoch zuerst so aus, als wären alle Warnungen als Anfänger keine Spiderlinge anzuschaffen, berechtigt. Mein erster Spiderling der Gattung Avicularia versicolor starb nach drei Wochen, ohne auch nur einmal gefressen zu haben. Temperatur und Luftfeuchtigkeit waren im Normalbereich, ich kann bis heute nicht sagen, warum sie starb. Danach war ich ziemlich frustriert und hatte ein schlechtes Gewissen, aufgrund meiner Unkenntnis das Leben der kleinen Vogelspinne aufs Spiel gesetzt zu haben und verwarf den Gedanken an eine erfolgreiche Aufzucht erst einmal. Allerdings nicht für lange Zeit, weil mir viele befreundete Vogelspinnenhalter versicherten, dass es fast unmöglich ist, ohne jegliche Verluste Spiderlinge großzuziehen.

    Also wagte ich einen zweiten Versuch - diesmal kaufte ich gleich einige Spiderlinge mehr, was dem Anfänger auch unbedingt zu empfehlen ist. Bei nur einem Tier ist der Verlust sehr groß - und leider lässt sich dies manchmal nicht vermeiden, die Schuld für ein Sterben des Tieres ist keinesfalls immer beim Halter zu suchen.

    Meine nächste Anschaffung waren Spiderlinge der Gattungen Avicularia versicolor und metallica mit einer Körperlänge von etwa 1 cm, kurz danach kamen noch A. purpurea und Brachypelmides klaasi hinzu. Um es vorwegzunehmen, sie leben alle noch und gedeihen prächtig, was beweist, dass auch Anfänger mit etwas Geduld und Mühe keine Vorbehalte gegenüber der Aufzucht haben sollten. Im Gegensatz zu einer adulten Spinne bieten Spiderlinge sehr viel mehr Abwechslung, sie können häufig gefüttert werden und fressen meist auch sehr gierig, sie häuten sich entsprechend oft und man sieht sie von Häutung zu Häutung heranwachsen. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie sich die Häutungsabstände verlängern, wie groß der resultierende Wachstumsschub war und wie unterschiedlich sich Spiderlinge aus demselben Kokon entwickeln können. Die Anschaffung und Haltung ist nicht teuer und man kann sich so mehrere Tiere auch unterschiedlicher Gattungen zulegen.

    Ich halte meine Spiderlinge in Gläsern (je nach Größe der Spiderlinge von Babynahrungs- bis Gurkengläser) mit einer Tränke und für die baumbewohnenden Arten mit einem kleinen Y-förmigen Ast, einem Stück Kork und/oder Blättern von Kunststoffpflanzen, an denen sie gern ihr Netz befestigen. Um Luftfeuchtigkeit und Temperatur besser halten zu können, stehen meine Spiderling-Gläser alle in einem größeren Terrarium, das ich mit Thermo-/Hygrometer, einer Lampe und einer Heizmatte (für den Winter) ausgestattet habe. Mit dieser Methode habe ich gute Erfahrungen.

    Wer sich also mit der Aufzucht beschäftigen möchte, dem empfehle ich mit mindestens 5 Spiderlingen zu starten und diese sollten eine Körperlänge von 1 cm möglichst nicht unterschreiten. Bei dieser Größe können problemlos bereits kleine Heimchen gefüttert werden, deren Körperlänge etwas kleiner als die der Spinnen selbst sind. Allerdings kann ich auch berichten, dass die Spiderlinge schon Heimchen erlegt haben, die größer waren als sie selbst! Bei sorgfältiger Haltung kann auch der Anfänger sehr erfolgreich bei der Aufzucht sein und wird schnell von den Vorzügen gegenüber adulten Tieren profitieren. Es macht wahnsinnig viel Spaß, die Kleinen heranwachsen zu sehen! Ich möchte meine jedenfalls nicht mehr missen und bin sicher, es werden auch weiterhin noch einige dazukommen!

    Quelle: www.vogelspinne.de