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Erfahrungsbericht
Verpaarung von Avicularia purpurea
Ein Bericht von Astrid Hilbert, 22.09.02
Das einzige purpurea-Exemplar in meiner Sammlung hatte
ich als Spiderling auf einer Börse erworben. Im Mai 2002
folgte dann die Reifehäutung zum Bock. Da ich diese Art
persönlich sehr schön finde, wollte ich den Bock unbedingt
selbst verpaaren und machte mich auf die Suche nach einem
passenden Weibchen. Anfang September war es dann soweit,
ich erstand ein adultes Weibchen - wobei ich mir nicht
ganz sicher war, ob es auch wirklich schon adult war, da
es mir recht klein erschien.
Ich setzte das Weibchen in sein neues Terrarium und ließ
ihr knapp zwei Wochen Zeit, sich dort erst einmal
einzugewöhnen, fütterte es während dieser Zeit ausgiebig.
Dann war aber meine Geduld zuende, die Neugier gewann
die Oberhand - ich wollte endlich loslegen bzw. die
Spinnen loslegen lassen! Da das Terrarium des Weibchens
nicht übermäßig groß war, ich dem Bock aber ein wenig
Platz für eine eventuell notwendige Flucht geben wollte,
setzte ich ihn in ein gleichformatiges Terrarium,
stellte das des Weibchens mit der Stirnseite dagegen und
entfernte die Frontscheiben. Nun konnte es losgehen. Was
würde der Bock tun?
Etwa zehn Minuten passierte gar nichts, der Bock hing
ziemlich reglos an der Seitenscheibe. Dann aber machte
er sich langsam auf den Weg in das Terrarium des Weibchens.
Er krabbelte hinein und bewegte sich dort sehr vorsichtig
voran. Das Weibchen saß derweil im Blätterwerk und bewegte
sich nicht. Der Bock trommelte nicht, sondern tastete sich
einfach vorwärts, so als würde er das Terrarium erkunden wollen,
dabei kam er aber zwangsläufig in die Nähe des Weibchens. Ich hatte
nicht das Gefühl, daß er ihre Gegenwart überhaupt wahrnahm. Sie
bewegte sich nicht und er krabbelte vorsichtig drauflos,
bis seine Beine die ihren berührten. Es wirkte fast so,
als wäre er quasi über sie gestolpert.
Jetzt wurde es also ernst: Spannung! Das Weibchen aber drehte
sich bei der Berührung zur Seite und begann sehr langsam
davon zu krabbeln. Das Männchen folgte ihr sehr behutsam.
Sie verharrte wieder und der Bock folgte ihr und tastete sie ab, erneut entfernte sie sich von ihm. Langsam
beschlich mich das Gefühl, daß sie keinerlei Interesse an
dem Bock hatte, möglicherweise war sie doch noch nicht
adult. Aber offensichtlich begegnete sie ihm nicht
agressiv, daher hatte ich noch Hoffnung, daß sie lediglich
auf ein wenig mehr Werbeanstrengung aus war (wie das halt
so ist mit Frauen - kein Fleiß, kein Preis!). Beim
dritten Versuch hielt sie inne und der Bock begann mit
seinem ersten Laufbeinpaar ihre Beine und das Abdomen zu
berühren, er tastete sie ab und sie ließ ihn diesmal
gewähren. Der Bock ging also auf "Angriff", ohne vorher
nur ein einziges Mal getrommelt zu haben - auch sie
trommelte oder zitterte nicht oder zeigte sonstige
Reaktion, sie ließ es einfach geschehen. Das Betasten
dauerte etwa zwei Minuten, wobei die beiden sich drehten
und ständig die Position änderten. Dann plötzlich war das
Weibchen fast in senkrechter Position hochgestellt und
spreizte ihre Chelizeren weit auseinander - ich wußte
zwar, das dies ein normales Verhalten bei der Paarung
ist, aber ein wenig mulmig wurde mir schon. Ich griff
schon mal vorsichtshalber zu der vorher bereitgelegten
30 cm Pinzette, um dem Bock ggf. zu Hilfe zu eilen. Aber
das war nicht notwendig. Während er das Weibchen weiter
hochhielt, begann er nun abwechselnd mit den beiden Tastern
das Weibchen zu begatten, dies ging sehr schnell und nach
wenigen Sekunden war es auch schon vorbei.
Ich hatte damit gerechnet, daß der Bock sich nun
schnellstmöglich vom Weibchen entfernen würde. Aber das
war definitiv nicht der Fall. Er hielt einfach inne, so
als wüßte er nicht, was er als nächstes tun solle,
nachdem er sie begattet hatte, und SIE war diejenige, die
sich nun ganz langsam abwendete und davon krabbelte.
Der Bock blieb einfach sitzen, sie krabbelte auf ihren
Lieblingsast und setzte sich dort nieder.
Um kein Risiko einzugehen, entfernte ich den Bock wieder
aus dem Terrarium des Weibchens und setzte ihn in sein eigenes
zurück.
Fazit: Das war alles sehr unspektakulär! Alles ging recht
schnell, der ganze Vorgang vom Reinsetzen des Männchen
bis zum Herausfangen dauerte etwa 30 Minuten, die
Begattung selbst nur wenige Sekunden. Kein Trommeln,
kein großes Werben, nur das Betasten des Weibchens.
War's das wirklich schon gewesen? Man kann also gespannt
sein, ob (und wann) das Weibchen nun einen Kokon bauen
wird und ob dieser dann auch Spiderlinge enthalten wird.
Also drückt mir die Daumen!
Nachtrag Mai 2003:
Leider hat das Weibchen nach der Verpaarung im September 2002 keinen Kokon gebaut
und sich dann vier Monate später (Jan. 2003) gehäutet. Am 10. Mai 2003 habe ich es
dann mit einem anderen Bock noch einmal versucht. Diesmal zeigte sich
das Weibchen auch viel paarungsbereiter, sie erwiderte das Werben des Männchens mit
viel Trommelei und vibrierte am ganzen Körper, was ziemlich lustig aussah. Dieser Bock
ging definitiv weniger forsch "zur Sache" als mein vorheriger, aber diesmal war das
Weibchen eindeutig die treibende Kraft, sie lief dem Bock regelrecht hinterher. Die Begattung
selbst dauerte etwa 30-40 Sekunden, danach zog sich der Bock schnell zurück und das
Weibchen suchte sich gemächlich einen Platz im Blätterwerk. Ich habe den Bock die Nacht und
den folgenden Tag über noch im Terrarium des Weibchens gelassen - die beiden führten eine
friedliche Koexistenz, sie saßen teilweise sogar sehr dicht beieinander. Nun ist der
Bock allerdings wieder in seinem eigenen Terrarium und ich hoffe, daß es diesmal mit dem
Kokonbau beim Weibchen klappt.
Autor: Astrid Hilbert
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