|
|
Erfahrungsbericht
Schabenzucht
Ein Bericht von Dietmar Baumgarte (04.08.03)
Unsere hauseigene Schabenzucht und Wissenswertes zur Haltung und Zucht von Schaben
Wer einige Tiere hält, wird sehr schnell feststellen, dass Futtertiere auf Dauer
ganz schön ins Geld gehen können. Deswegen haben wir uns entschlossen, über kurz
oder lang unsere Futtertiere selber zu züchten. Schaben gibt es in sehr
unterschiedlichen Formen und Größen sowie Lebensgewohnheiten und mit
unterschiedlichen Bedürfnissen. Das reicht von wenigen Millimetern bis über
10 cm Gesamtlänge bei manchen Schabenarten. Die, die wir züchten sind zwischen
2,5 und 7 cm groß, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen
Vogelspinnen besser eingehen zu können. Ein Schabenzuchtansatz kostet etwa 10,- Euro
und enthält 50 bis 100 Tiere, je nach Art und Größe der Schaben. Im Internet
findet man auf diversen Internetseiten unter anderem Schabenzuchtansätze
(z.B. http://www.zag-wirbellose.de
oder http://www.terraristik.com jeweils
in den Kleinanzeigen). Leider kann es bei manchen Arten sehr schnell zu einer
ungewollten Vermehrung in der Wohnung kommen, falls doch mal eine Schabe entwischt.
Deswegen verwenden wir überwiegend Arten, die sich nicht ohne weiteres bei uns
halten können. Welche von uns erfolgreich gezüchtet werden sind die folgenden:
Blaberus craniifer, Byrsotria fumigata, Shelfordella tartara und Nauphoeta
cinerea sowie Pycnoscelus lemorata, die jedoch an glatten Scheiben mühelos
hochlaufen können. Blaberus craniifer ist bei uns unter dem Trivialnamen
Totenkopfschabe bekannt und vermehrt sich wie Byrsotria fumigata und
Shelfordella tartara sehr effizient und zahlreich. Bei diesen drei Arten
ist es nicht weiter tragisch, falls eine mal entwischen sollte. Trotz
allem wäre es gut, immer genauestens aufzupassen, nicht das irgendwann
über Nachbars Wohnzimmertisch eine 5 cm große Schabe wandert. Für
gewöhnlich vermehren sich diese Tiere sehr gut, so dass man nach
kurzer Zeit sogar seinen Freundeskreis mit Futtertieren versorgen kann.
Der Aufwand scheint zwar groß zu sein, aber die Kosten sind wesentlich
geringer als ständig neue Futtertiere zu kaufen.
Allgemeines
Schaben gehören zu den ältesten noch lebenden Insekten, seit 350 Millionen
Jahren bevölkern sie unseren Globus. Sie sind nachtaktive Tiere und können
bis zu einem Jahr alt werden. Die Tiere haben beißend kauende Mundwerkzeuge,
gleichartige Laufbeine und besitzen einen lederartigen Vorder- und zarten
Hinterflügel und haben lange Antennen. Schaben können sehr schnell laufen
und verbreiten einen durchdringenden Geruch (nicht alle Arten). Sie fressen
fast alles und man sollte auch für etwas Abwechslung auf dem Speiseplan sorgen.
Es gibt etwa 3500 Arten, wovon die meisten aus den Tropen kommen und
überwiegend in der freien Natur leben. Haus-, Küchen- und Amerikanische
Schaben sind Hausschädlinge. Weibliche Schaben bedecken ihre Eier mit
einem Drüsensekret, dass zu einer Tasche verhärtet. Die Tasche trägt das
Weibchen am Hinterleibsende mit sich herum, bis die jungen Schaben nach etwa
vier bis sechs Wochen schlüpfen. Hausschaben sind sehr schwer zu bekämpfen,
da sie gegen Feuer und Gift sehr resistent sind.
 |
 |
| Blaberus craniifer |
Nauphoeta cinerea |

Shelfordella tartara
Einrichtung des Behälters
Am besten eignen sich fest verschließbare Behälter von Curver. In diese
lassen sich sehr einfach große Löcher in den Deckel schneiden wo man Drahtgase
mit einem Lötkolben einschmelzt. So ist für ausreichende Belüftung gesorgt und
es kann keines der Tiere ohne weiteres ausbrechen. Wichtig ist hierbei, das
die Wände glatt sind, damit die Schaben keine Möglichkeit haben daran hoch zu
laufen. Man kann auch ein Terrarium verwenden oder ein altes ausgedientes
Aquarium. Vorsicht ist jedoch mit dem Silikon geboten, weil es manche Arten
gerne fressen und mühelos daran hochklettern können. Daher ist auf eine
dichte Abdeckung zu achten damit keines der Tiere ausbrechen kann. Bei
Schaben wie Nauphoeta cinerea sollte man oben unterhalb des Deckel an den
Wänden etwa 7 bis 10 cm sehr dünn Vaseline auftragen, das man in jeder
Apotheke bekommt. Mit dem Auftragen der Vaseline können die Schaben nicht
mehr ohne weiteres nach oben krabbeln und es dient als Sperre. Auf keinen
Fall eine an glatten Wänden hochlaufende Art halten, ohne diese kleine
Vorsichtsmassnahme, weil sie sonst in absehbarer Zeit in der gesamten
Wohnung auftauchen. Als Bodengrund empfiehlt sich ein lockeres Gemisch
aus Fischflockenfutter und geriebene alte Semmel, Brot oder ähnlichem mit
etwa fünf bis sieben cm Höhe. Zwar geht man davon aus, dass die meisten
Schaben etwas Feuchtigkeit benötigen, jedoch lassen sich alle Arten mühelos
trockener halten (Blaberus craniifer, Byrsotria fumigata, Nauphoeta cinerea
und Shelfordella tartara). Bei trockener Haltung sollten die Schaben
regelmäßig etwa alle zwei bis drei tage Obst bekommen. Pycnoscelus lemorata
ist eine Gewächshausschabe, die ein feuchtes Substrat benötigt (ungedüngte
Blumenerde oder Substrat von Kokospressziegel). In der Oothek, die sich am
Hinterleibsende befindet, wachsen in ca. vier bis sechs Wochen ihre Nachkommen
heran die lebend auf die Welt kommen. Daher braucht in den Behältern keine
Schale für die Eiablage stehen, weil sie ihre Keimlinge bis zum Schlupf mit
sich herumtragen. Natürlich dürfen auch keine Versteckmöglichkeiten fehlen,
weil diese Tiere nachtaktiv sind. Am besten eignen sich Eierkartons, die wir
nebeneinander in die Box stellen und sie dadurch genug Versteckmöglichkeiten
haben. Falls die Schaben zu sehr an den Kartons rumgeknabbert haben oder
diese anfangen zu gammeln, lassen sie sich schnell gegen neue austauschen.
Die Behälter sollten mindestens alle 5 bis 6 Monate grundgereinigt werden,
bzw. dann, wenn es anfängt stark zu riechen. Ich selbst mache jeden Behälter
alle sechs bis acht Monate grundrein und trenne dabei Nachzuchtschaben von
den großen in extra Boxen.
 |
 |
| B. craniifer unter einem Eierkarton |
Diese Totenkopfschaben sind
noch nicht ausgewachsen |
Futter
Schaben stellen keine sehr hohen Ansprüche, jedoch empfiehlt es sich auf
abwechslungsreiche Kost zu achten. Sie fressen sehr gerne Gemüse und Obst,
das auch etwas überreif sein kann. Ferner sollte auch Trockenfutter gereicht
werden. Am besten eignet sich Fischflockenfutter, Matzinger Vollkorn Flocken
und Trockenfutter, das auch Nagern gereicht wird und für viel Abwechslung auf
dem Speiseplan sorgt. Es empfiehlt sich Gemüse und Obst klein zu schneiden oder
zu raspeln und in einer kleinen flachen Schale auf eine freie stelle vom Boden
zu stellen. Sie fressen sehr gerne trockenes Brot, Knäckebrot und Brötchen. Zur
Wasserversorgung kann man eine Filmdose nehmen, in die man in den Deckel ein
Loch schneidet und einen dicken Docht aus Baumwolle durchzieht. Die Filmdose
alle paar tage mit Wasser füllen und die Schaben sind prima gegen austrocknen
versorgt. Wir machen dies unter anderem wegen dem Nachwuchs, da dieser sonst
im Wasser leicht ertrinken kann, falls man eine Schale rein stellt. Frisches
Nassfutter sollte wenigstens zwei bis drei mal die Woche gereicht werden um
ein Austrocknen zu verhindern. Trockenfutter je nach Bedarf. Wichtig: Das Obst
unbedingt waschen und schälen, weil es meistens behandelt wurde und
Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann.
Haltung und Zucht
Um ein gutes Zuchtergebnis zu erhalten, sollte man die Schaben bei 26 bis 29
Grad halten. Sie vertragen es auch ein bisschen kälter, jedoch dauert es um so
länger bis sie sich vermehren. Sollte die Nachzucht überhand nehmen, einfach
etwas kühler halten, so dass sie sich langsamer vermehren. Es empfiehlt sich,
die heranwachsenden Schaben von den Großen zu trennen und in eine extra Box
zu setzen. Wir empfehlen außerdem, von allen Schaben nur männliche Tiere und
alte Schaben mit ausgefransten Flügeln zu verfüttern, weil sie aller
Voraussicht nach nicht mehr lange leben werden. Bei einer Curverbox in der
Größe von 40 x 35 x 25 cm, wie wir sie verwenden, lassen sich mühelos ca. 80
bis 100 adulte Schaben neben etlichen Nachzuchtschaben halten. Die Tragzeit
beträgt, wie schon weiter oben angesprochen, ca. vier bis sechs Wochen und
sie werden etwa ein Jahr alt. Ein Bekannter von uns teilt seine Schaben alle
zwei bis drei Monate in jeweils zwei Boxen auf. Die älteren, wovon er sie
getrennt hat, verfüttert er danach komplett an seine Tiere. Er hält allerdings
pro Schabenart jeweils 5 Boxen, was er auch benötigt, da er sehr viele
Vogelspinnen, Skorpione und Bartagamen hält und Züchtet.
Sonstiges
Bei fragen, Anregungen und Wünschen stehe ich jederzeit mit meinem Team
im Terraristik-Talk zur Verfügung.
In unserem Forum gibt es einige, die seit langem erfolgreich Schaben
und andere Futtertiere halten und Züchten. Bei der Beschaffung eines
Schabenzuchtansatz empfehle ich besonders die Seite der ZAG Wirbellose
im Terrarium e.V.. Bei der ZAG handelt es sich um einen sehr
informativen Verein, mit einer überaus
interessanten Vereinspublikation in der unter anderem Schabenarten
vorgestellt werden.
Autor: Dietmar Baumgarte
Homepage: www.vogelspinne.info
|
|